Tibetmastiff

Diese Rasse ist unter vielen Namen wie Do Khyi, Tsang-Khyi, Tibetdogge, Tibetanische Dogge bzw. Tibetmastiff bekannt. Sie wurde zur Bewachung der Häuser, Dörfer, Klöster, nomadischer Lager und Viehherden vor Dieben, Wölfen, Leoparden und anderen Raubtieren verwendet. Die Rasse ist in zwei Gruppen unterteilt: die mastiff-ähnliche ‚Tsang-Khyi‘ und die Schäferhund-ähnliche ‚Do-Khyi‘.

Die Vorfahren der Rasse existierten wahrscheinlich noch in der Bronzezeit, und ihre 1000 Jahre v. Chr. alten Knochen wurden in China ausgegraben. Die Hunde wurden von den alten Assyrern, Persern, Griechen, Römern, Hunnen und Mongolen geschätzt und begleiteten diese Völker in Kriegszügen. Die europäischen Mastiff-Rassen entstanden wahrscheinlich von diesen Hunden. Das Wohngebiet von dem reinrassigen Tibetmastiff blieb jedoch mit den tibetischen Himalaya-Tälern und Ebenen beschränkt. Die Rasse wurde erst 1847 in Europa bekannt, als der damalige Vizekönig von Indien, Lord Hardinge, der Queen Victoria einen Hund geschenkt hatte. Später, im Jahre 1874, bekundete Prinz von Wales (König Edward VII) ein Interesse an der Rasse und sie begann sich in Europa zu verbreiten. Der Verein für diese Rasse wurde im Jahr 1931 durch die Bemühungen von Mrs. Bailey in England gegründet; seine Ableger waren in Sikkim, Nepal und Tibet stationiert. Trotz einiger Schwankungen der Popularität ist die Rasse nun von den Kennel Clubs in Indien, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Kanada, USA und einigen anderen Ländern der Welt anerkannt worden.

Die Rasse besitzt einzigartige Eigenschaften, wie z. B. eine einmalig im Jahr vorkommende Decklust der Hündinnen, in der Regel im Herbst. Die Hunde sind sauber, stubenrein und hypoallergen; der übliche Hundegeruch fehlt. Das lange, dichte Doppelfell weist eine feine, etwas wollige Textur auf und ist bei Rüden etwas dichter als bei Hündinnen. Der Fellwechsel erfolgt ein- bzw. zweimal im Jahr und dauert in der Regel etwa vier Wochen. Das dicke Fell um den Hals und die Schultern ist einer Mähne ähnlich, die kräftig befederte Rute wird eingerollt über dem Rücken getragen, die oberen Teile der Hinterläufe sind gut befedert. Die Farbe kann schwarz, braun, grau, ocker, blau, gelb, schwarz und beige, sowie mit einigen weißen Abzeichen sein.

Die minimale Widerristhöhe beträgt für Rüden 66 cm, für Hündinnen 61 cm. Die allgemeine Erscheinung sieht kraftvoll und muskulös aus. Der Kopf ist breit, seine Haut kann etwas faltig bei ausgewachsenen Tieren erscheinen, die Kiefer sind kräftig, sehr ausdrucksvolle Augen stehen weit auseinander, die Ohren sind klein bis mittelgroß und hängen seitlich herab. Der Hund bewegt sich mit einem leistungsstarken, bewussten Gang. Für das Überleben in schweren Klimabedingungen und dem tückischen Terrain von Tibet gezüchtet, hat dieser Hund in der Regel wenig Gesundheitsprobleme. Die gelegentlich auftretenden sind Entropium (Augenlid-Fehlstellung, bei der sich das Augenlid nach innen einrollt), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und Otitis (Infektion des Gehörgangs). Eine erbliche Störung der peripheren Nerven als CIDn bekannt (Canine Inherited Demyelination Neuropathy), die die Membranen (Myelin) der Nervenzellen zerstört und die Lähmung der Gliedmaßen verursacht, ist bei Welpen aus einer Blutlinie immer weniger beobachtet worden. Allerdings hat die kontrollierte und selektive Züchtung dieses Problem beseitigt und die CIDn-Fälle in den letzten Jahren sind nirgendswo gemeldet worden.

Der tibetische Mastiff ist nicht eine Rasse für jedermann. Abgesehen von der Tatsache, dass es ein großer Hund ist, der viel Platz und Auslastung erfordert, ist sein Wesen durch Willensstärke und Unabhängigkeit, sowie eigenen Gedankengang geprägt, und wenn nicht richtig sozialisiert und trainiert, kann der Umgang mit dem Hund recht schwierig werden. Der beste Weg, den Welpen zu sozialisieren, ist, ihn an neue Erfahrungen, neue Orte, Menschen und Tiere zu gewöhnen. Obwohl der Hund schnell lernt, kann er manchmal sehr stur sein. Seine sehr territorialen Instinkte werden es nicht zulassen, dass ein Besucher sich nach Belieben im Haus oder auf dem Grundstück des Hundebesitzers bewegt. Und während der Hund in der Regel gut mit Kindern umgeht, soll dieser Prozess trotzdem beobachtet werden, weil ausgelassenes Verhalten, insbesondere der „fremden“ Kinder gegenüber den „eigenen“, oft vom Vierbeiner für eine Aggression gehalten wird und die entsprechende Abwehr auslösen kann.

Es dauert auch eine lange Zeit, bis der Hund reif wird – 3 oder 4 Jahre für Hündinnen und 4 oder 5 Jahre für Rüden. Währenddessen können die Hunde unglaublich zerstörerisch sein. Die kräftigen Kiefer versuchen alles anzuknabbern – Türen, Möbel, Zäune, Beton und vieles andere. Diese Eigenschaft äußert sich besonders dann, wenn der Hund längere Zeit sich selbst überlassen ist. Persistentes Graben, Bellen in der Nacht sind andere Gewohnheiten, die zu Problemen, vor allem mit den Nachbarn, führen können. Auch das saisonbedingte und lange dauernde Abhaaren beschert viele Sorgen. Trotz seiner Unabhängigkeit ist der Tibetmastiff eine sehr sensible Rasse, kann leicht durch Rüge verärgert oder beleidigt werden, und einige Hunde zeigen sich auch noch beim Fressen pingelig. Auch auf dem eingezäunten Grundstück können die Hunde in die Nachbarschaft wandern, indem sie über den Zaun klettern oder sich darunter durchgraben.

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